Frau des Monats November 2013

Die Frau des Monats November ist die Indierin Madurai Vasantha. Den nachfolgenden Text hat Katharina Kindler verfasst.

Nach meiner Pensionierung begleitete ich nun schon drei Mal Itala Ricaldone, die seit mehr als 30 Jahre Verantwortliche für ASSEFA Italien ist, auf ihrer Besuchsreise zu ASSEFA Indien. So lernte ich in Madurai Vasantha kennen und schätzen. Bei den vielen Schulbesuchen, die wir dort gemacht haben, konnte ich beobachten, dass all das, was sie denkt und sagt, in ihren Schulen umgesetzt ist. Das freundschaftliche Zusammenarbeiten zwischen den Religionen, die Praxis der Gewaltlosigkeit im Schulalltag und das Übernehmen von Mitverantwortung auch für die Nächsten.

Vasantha hat angefangen Schulen aufzubauen (inzwischen sind es weit mehr als 1000). Sie stammt aus einer Familie die dem Gedankengut von Mahatma Gandhi nahe steht. Sie hat sich schon früh entschlossen, nicht zu heiraten, sondern sich ganz in den Dienst der Bewegung zu stellen, die seit 1968 die Philosophie von Mahatma Gandhi in die Praxis umsetzt (Loganathan), für die ärmsten Bauern in Südindien Land besorgt (Vinoba) und Hilfe zur Selbsthilfe aufbaut und finanziert (G. Ermiglia. Italien) Sie wurde als Frau die 4. im Bunde, von denen nun noch Loganathan und sie am Leben und Wirken sind bei ASSEFA Indien.

Wenn ich an diese sanfte, geduldige und freundlich lächelnde Person denke, kann ich nur staunen. Sie geniesst den vollen Respekt von allen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Was sie plant und organisiert in ihrem Wirkungsfeld, funktioniert perfekt. Wenn Menschen, die sie nicht kennen ihr diesen Respekt nicht entgegenbringen, erträgt sie auch das mit Freundlichkeit und Entgegenkommen.

Die erste Schule hat sie gegründet indem sie die interessierten Eltern versammelte und von Ihnen fragte, ob sie bereit seien, jeden Tag für die Lehrkraft ihrer Kinder eine Tasse Reis oder Trockennahrung beiseite zu stellen. (Die Menschen in Tamil Nadu sind sehr arm.) Als mehr als dreissig Familien vom Dorf bereit waren, sich auf diese Forderung einzulassen, hat sie eingewilligt, die Schule zu gründen. Dann fand sich aber keine Lehrkraft, die dort unter diesen Bedingungen unterrichten wollte. Also unterrichtete Vasantha in dieser ersten Schule von ASSEFA zunächst unter einem Baum die lernbegierigen Kinder selbst.

Eigentlich ist für die Lehrerin und Heilpädagogin Vasantha die Arbeit im Aufbau des Schulwesens nur eine von vielen Beschäftigungen. Sie hat mit Frauenarbeit angefangen. Die Organisation für das Patenschaftswesen wird von vielen Mitarbeitern gemacht, aber von ihr überwacht. Medizinische Versorgung und auch Unterricht in Präventivmedizin geschieht auch über die Schulen sowie Gewaltlosigkeit als Unterrichtspraxis und Unterrichtsfach. Ihr wurde am Anfang das Überwachen von korrekter Anwendung von Mikrokrediten übertragen.
Für Frauen ist auch heute die Kuh eine wichtige Lebensgrundlage. ASSEFA hat die korrekte Verwertung der Milch organisiert. Der Kredit, um die Kuh zu kaufen, wird dann an eine andere Person weitergegeben, wenn er erwirtschaftet ist. In einer Gegend wird an heranwachsende Mädchen von ASSEFA-Mitgliedern eine Kuh geschenkt, damit sie dann etwas haben für die Mitgift. Hier habe ich gelernt, dass die Bergpredigt voll lebbar ist.

2012 haben wir ein Interview gemacht mit Vasantha während unserer Besuchsreise zu ASSEFA Indien, das auf Youtube zu sehen ist: Pädagogik der Gewaltlosigkeit; paedagogia della non violenza. (rivapianan54) http://www.youtube.com/watch?v=Nf-VQ4Puq2M
Ich drucke hier ihren englischen Text, der im Film auf Youtube auf Deutsch und Italienisch übersetzt ist, er enthält die Begründung, warum ich Vasantha bei uns auf der Seite der Theologinnen porträtiere. Ihre Art sich auf einen Gott zu beziehen, ohne dabei die eine Religion gegen die andere auszuspielen, ist so schlicht und grossartig, wie es dem Gedanken von Gandhi entspricht:

Q.: Can you say a bit more about the meaning of prayer, and the offer at school, the lighting of candles…?
V.: Prayer makes them come together first of all: we sit together without any difference of religion or cast or anything. That creates uniqueness and cooperation among the children. Prayer is important because there is a power above all, whatever we do, whatever we have, whatever capacity we have, there is a supreme power over us. So that should be realized by the children, and also we use the intelligence that, weather Hindu or a Christian or a Muslim, nobody is supreme, every one is equal. All the religions say God is one and all the religion say love and sharing is the major part of God. So that kind of thinking should come from the children. So this part we create through the prayer and Yoga and meditation. Yoga and meditation can tend to have that concentration: that will help them to do good in their studies and also they can develop spiritual qualities, through Yoga, meditation and prayer. So that is why prayer is compulsory in our school.

Literatur:
Quaderni Satyagraha la forza della verità, Giovanna Providenti, LA NONVIOLENZA DELLE DONNE, Libreria editrice fiorntina, Centro Gandhi Edizione Pisa 2006, S. 165 Vasantha, le scuole, le donne: un percorso in espansione con l’ASSEFA, Di Itala Ricaldone
Dieter Conrad, GANDHI und der Begriff des Politischen Staat, Religion und Gewalt, Wilhelm Fink Verlag München 2006