Archiv des Monats: März 2012

Tränengebet

Endlich kann ich weinen gefrorene Tränen
tropfen heraus aus mir strömen und fließen
ins Freie und schwemmen die Schmerzen
zu Dir Gott du birgst sie und sammelst
die Tränen versteinerte Seele
der Kindheit als weinen verboten war
Schmerz hinter Mauern begraben
aus düsterem Schweigen

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Überlebensgebete

„Talking with God about Childhood Sexual Abuse“
lautet der Untertitel der 1994 bei Westminster John Knox Press, USA, erschienenen „SURVIVOR PRAYERS“.
Die Autorin Catherine J. Foote, eine Pastorin, ist selbst als Kind sexuell mißbraucht worden. Ihre Gedichte sind so wunderbar, so beeindruckend und kraftvoll, daß sie Carola Moosbach zum Schreiben von Nachdichtungen inspiriert haben, die ausdrücklich nicht als Übersetzungen verstanden werden wollen.

Erste Fragen

Was kann ich Dir sagen Gott?
Wie viel hältst Du aus und was willst Du hören?
Wie schrecklich es war und was er zerstört hat?
Wie wütend ich war und verwirrt und wie groß der Verrat
und wie tief meine Scham?
Willst Du das wirklich wissen?

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Schuldbekenntnis

Gott, vor dir bekenne ich, dass ich mich oft kleinmache
und meinen Auftrag herabspiele.
Ich vernachlässige es, meine Talente einzubringen
und stelle mein Licht unter den Scheffel.
Ich traue mir nicht zu, einen Auftrag zu haben
und schleiche mich auch gerne aus der Verantwortung.
Ich scheue es, im Rampenlicht zu stehen und trete lieber hinter andere zurück.
Oft verpasse ich die Chance, Stellung zu nehmen
und mich mit anderen zusammenzuschliessen.
Ich fürchte es, mit Macht umzugehen
und überlasse die Entscheidungen gerne anderen.

Gott, ich bin es nicht wert, dein Ebenbild zu heissen.
Ich will die Schuld für meine Unterlassungen aber nicht anderen zuschieben,
sondern will mich von dir heilen lassen.
Hier bin ich. Hilf meinem geschwächten Selbstvertrauen.
Öffne meinen Blick für Aufgaben, die ich bewältigen kann.
Überfordere mich nicht, aber fordere mich heraus.
Lass mich spüren, dass du mir etwas zutraust und meinen Beitrag erwartest.
Mit deiner Hilfe will ich es wagen, will hinstehen und ich sagen.
Nutze mich, als Stein für deinen Tempel.

Amen.

(Quelle unbekannt)

Gott, unsere Mutter,

du trägst das Leben in dir,

nährst uns an deiner Brust

und lehrst uns, allein zu gehen.

Hilf uns, deine Zärtlichkeit zu empfangen,

und so deine Herausforderungen zu antworten,

dass auch andere das Leben in uns finden mögen,

in deinem Namen.

Amen.

(Janet Morley, aus: Preisen will ich Gott meine Geliebte, Freiburg 1989)

Mein Gott

Mein Gott spricht mit sanfter Stimme
mein Gott kreist in ruhigen Bahnen
mein Gott tanzt in Wolkenmeeren
mein Gott hält die Schwachen sicher
mein Gott liebt mit Kraft und Feuer
wärmend schützend fordernd tröstend
mein Gott weiß um meine Wunden
schafft mir Raum und Luft zum Atmen
weite Nähe ohne Angst

(C. Moosbach 1999)

Psalm am Kochtopf

Mittag

zum wievieltausendstenmal

das Essen kochen

ermüdender Kreislauf

ich möchte anderes tun

meine Arbeit und mein Gefühl dabei

wie schnell sind sie verzehrt und

vergessen, Gott

das benutzte Geschirr

der leere Kochtopf bleiben mir

und morgen

das gleiche

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Frühlingspsalm

Du hast mich
aus dem Tunnel geführt,
mein Gott,
hell und weit kommt mir das Leben entgegen.
Wie herrlich,
daß mich die Sonne blendet,
daß ich Erde spüre
unter den Füßen!
Die kleinen Schnäbel der Vögel
durchstoßen die Wände
aus Dunkel und Glas,
und ihre Lieder durchschwirren die Luft.
Wie hoch sich deine Himmel wölben,
mein Gott,
wie sie sich in Hoffnung und Freude kleiden!
Bald werden mit mir
die Anemonen und Schlüsselblumen,
das Scharbockskraut
und die Leberblümchen,
die Veilchen und die Goldweiden sagen:
Das Leben ist voller Wunder,
Gott,
wir loben dich, Schöpferin Liebe,
wir danken dir.

Und ich weiß wieder,
Gott,
daß du immerfort die Welt erschaffst,
daß du alles neu werden läßt,
auch mich, wenn ich ja dazu sage.
Wie erst, unser Gott,
wie erst
wird der unvergängliche Frühling sein?

(Christa Peikert Flaspöhler, aus: mit deinem Echo im Herzen)

Komm Ruach komm!

ruach, komm auf unsere Zungen
löse Furcht und banges Schweigen
gib uns Mut zum Unmut ein
niemals mehr
wollen wir sprachlos sein

ruach, komm ins unsere Augen
löse Film und blindes Glauben
gib uns Mut zum Sehen ein
niemals mehr
wollen wir lichtlos sein

ruach, treibe unseren Willen
wecke Zorn und schenke Atem
gib uns Mut zum Werden ein
niemals mehr
wollen wir harmlos sein

ruach, küsse unsere Hände
stärke Kraft und Zärtlichkeiten
gib uns Mut zum Handeln ein
niemals mehr
wollen wir machtlos sein

ruach, heile allen Mangel
eine Körper, Geist und Seele
gib uns Mut zur Freundschaft ein
niemals mehr
wollen wir gottlos sein

(Christa Peikert-Flaspöhler)

Im Namen Gottes 4

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes

Im Namen der Liebe, die uns trägt.

Im Namen der Hoffnung, die in allem Leid lebendig bleibt.

Und im Namen der Kraft, die uns immer wieder nahe sein will,

die uns anrührt und uns stärkt.

(Claudia Wüstenhagen)

Im Namen Gottes 3

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes

wie Mutter und Vater ist Gott am Anfang des Lebens,

wie Bruder und Schwester ist Gott an unserer Seite,

wie Atem und Wind bewegt uns Gottes lebendiger Geist.

(Cordelia Kopsch)

Im Namen Gottes 2

Im Namen Gottes wollen wir beginnen

Gott ist allen Zweifelnden, Verzagten und Suchenden besnders nah.

In Jesu Namen wollen wir beginnen,

denn Jesus ließ diese Nähe Ausgestoßene, Verachtete, Verzweifelte spüren.

In der Hoffnung auf das Geschenk des Heiligen Geistes wollen wir beginnen,

um Mut und Ideen bitten, heute diese Nähe weiterzugeben.

(Susanne Kahl-Passoth)

Im Namen Gottes 1

Wir feiern diesen Gottesdienst

im Namen Gottes, Quelle unseres Lebens,

im Namen Jesu Christi, in ihm ist Gott uns nahe;

im Namen des Heiligen Geistes,

der Kraft, die uns belebt und bewegt.

(Erika Görke)

Gott, du Kraft der Liebe,

du Flamme der Sehnsucht, du Glut der Hoffnung.
Du hast mich geschaffen als dein göttliches Werk.
Du hast mir Talente gegeben, um mit ihnen zu wuchern.
Für dein Reich will ich mich einsetzen, dass es spürbar wird in unserer Welt.
Ich will meine Augen nicht vor den Problemen unserer Zeit verhüllen,
sondern hinschauen und nach Abhilfe suchen.

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Initiative zur Gleichstellung von Frauen in der Katholischen Kirche lanciert!

Ziel dieser Initiative ist es, die Behörden der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt und der Römisch-Katholischen Landeskirche Basel-Landschaft (d.h. Synoden und Kirchenräte) zu verpflichten, darauf hinzuwirken, dass die Römisch-Katholische Kirche die gleichberechtigte Zulassung – unabhängig von Zivilstand und Geschlecht – zum Priesteramt ermöglicht.
Das heisst:
Abschaffung des Pflichtzölibats und
Zulassung der Frauen zum Priesteramt.
Die Übergabe der Unterschriften fand am Donnerstag, 12. Januar 2012, 11 Uhr, in der Elisabethenkirche Basel statt.
Weitere Informationen und die Möglichkeit sich als SympathisantIn einzutragen finden sich hier: www.kirchliche-gleichstellung.ch

Chancengleichheit

In Deutschland fordern prominente Frauen aus allen Bereichen der Gesellschaft die tatsächliche Durchsetzung von Chancengleichheit von Frauen und Männern in Führungspositionen der Wirtschaft durch klare gesetzliche Vorgaben. Zu den Erstunterzeichnerinnen der so genannten Berliner Erklärung gehört auch die Präses der Synode der EKD, Katrin Göring-Eckardt. In Ihrem Statement schreibt sie: «Es ist nicht egal, ob Frauen und Männer gleichermaßen in Entscheidungsfunktionen sind, nicht in der Politik, nicht in der Kirche, nicht in der Gesellschaft und gerade nicht in der Wirtschaft. Es ist Zeit! Und ohne Quote geht es – offensichtlich – nicht.»
Auf der Internetseite der Berliner Erklärung kann man sich auch als Unterstützerin / Unterstützer der Initiative registrieren lassen: www.berlinererklaerung.de
Die IG findet – das ist eine gute Sache!

Wie werde ich Mitfrau?

Mitglied der IG kann jede Frau werden, die sich durch ein Studium, durch Weiterbildung oder auf anderen Wegen in Belangen der Feministischen Theologie kompetent gemacht hat und sich in der Aufarbeitung oder Umsetzung feministischer Theologie engagiert.
Es braucht dafür eine schriftliche Anmeldung an vorstand@feministische-theologinnen.ch und die Bezahlung des Mitfrauenbeitrags.
Beiträge:

  • Jahresbeitrag CHF 60.-
  • Gönnerinnenbeitrag CHF 100.-
  • reduzierter Beitrag für Nichtverdienende CHF 30.-

Unser Konto:
IBAN CH36 0900 0000 6001 5673 4
BIC: POFICHEBE
Zugunsten:
IG feministischer Theologinnen der Deutschschweiz und Liechtenstein
Bern

Wissen die Reformierten Kantonalkirchen, was sie tun?

Die IG Feministischer Theologinnen beobachtet seit zwanzig Jahren die Positionen und die Praxis der Kirchen in der Schweiz, und achtet darauf, was sie zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen.
Wie ernst ist es den Kirchen mit der Frauenfreundlichkeit und inwiefern lassen sie sich auf gut ausgebildete Frauen ein, die selbstbewusst nach ihrem Ort in der Kirche fragen? Welche Weichen stellen die reformierten Kirchen der Schweiz heute bezüglich Geschlechtergerechtigkeit?
Dazu unsere aktuelle Stellungnahme: Orte weiblicher Freiheit

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Was muss man sonst noch?

Neben dem Bezahlen des Jahresbeitrages? An die Vollversammlung kommen, die Weiterbildung besuchen und sich für die Arbeit des Vereins interessieren, ist ja alles im Grunde freiwillig. Also musst Du sonst nichts…

Können auch Männer Mitglied werden?

Bis jetzt hat sich kein interessierter Mann bei uns gemeldet. Hauptsache ist, dass wir zusammen an einem Strick ziehen, d.h. uns für die Anliegen der Feministischen Theologinnen einsetzen, uns vernetzen, stärken und Feministische Theologie in der Arbeit und in der Gesellschaft als Quelle der Inspiration fruchtbar machen.

Was tun feministische Theologinnen?

Alles Mögliche! Abgesehen von Theologietreiben, Bibelübersetzen und Neues erfinden, vernetzen sie sich und betrachten die Welt mit einer ihnen eigenen kritischen Distanz. Sie arbeiten viel und versuchen auch, das Leben zu geniessen, da es um Alles geht – um die ganze Schöpfung, das Essen, Lieben, Arbeiten, Denken, Kommunizieren…

Ist feministische Theologie überhaupt christlich?

Es gibt christliche feministische Theologie und postchristliche feministische Theologie (z.B. matriarchaler Prägung). Es gibt aber auch jüdisches feministisches Denken und Feministinnen in allen Kulturen und Religionen. Die IG ist mehrheitlich christlich, sehr viele unserer Mitfrauen arbeiten bei den verschiedenen Landeskirchen.

Wo kann man feministische Theologie lernen?

Da schaust du dich am besten bei der IG um. Wir bieten jedes Jahr eine Weiterbildung an. Dann gibt es zur Zeit das Fernstudium Feministische Theologie in Basel/Biel (es wird auch in der EKD Deutschland angeboten), es ist eine unakademische Grundausbildung. Wichtig ist auch die feministische Sommerakademie auf Schloss Schwanenwerder in Berlin, Evangelische Akademie.

Am besten setzt Du Dich mit  Prof. Claudia Janssen 
in Verbindung. Sie ist Studienleiterin am Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD
 in Hofgeismar und hat den Überblick! www.claudia-janssen.eu

Welche Bibelstellen sind echt frauenfreundlich?

Frauenfeindliche Bibelstellen sind bekannter…

Aber für frauenfreundlich und ausbaufähig gelten: Gal 3,28; Jer 30,21-22; Gen 1,27.

Jedoch wehren sich feministische Exegetinnen dagegen, einen Kanon im Kanon zu bilden, d.h. einige gute von vielen schlechten Texten zu unterscheiden. Denn: es kommt darauf an, wie wir die Texte lesen. Wenn wir die Bibel feministisch-befreiungstheologisch lesen, sind die allermeisten Texte spannend, weiterführend, auch für Frauen. Wenn wir sie dogmatisch, antijudaistisch aus ihrem Kontext ziehen, dann werden sie rasch zur Waffe gegen Frauen und „Andere“ aller Art.

Ist Feministische Theologie ein Fach an der Universität?

Nein. Es gibt z.B. feministische Exegese (Prof. Silvia Schroer, Bern; Prof. Luzia Sutter Rehmann, Basel) oder wird hie und da mitgelehrt. Die Ausgliederung in ein eigenes Fach ist auch nicht unbedingt das Ziel.

Einen Lehrstuhl für Feministische Theologie gibt es in Bayern: http://www.augustana.de/forschung/fem/feministisch.html.

Dann gibt es die feministische Arbeitsstelle mit Prof. Marie-Therese Wacker in Münster: http://www.katholische-theologie.info/Home/MünsterFeministTheologie/tabid/197/Default.aspx

Gibt es berühmte feministische Theologinnen?

Na klar, die Menge! Hier ein paar Namen:
Marga Bührig, weltweite Ökumene und Schweizer Kirchenfrau
Luise Schottroff, Neues Testament
Catharina Halkes, Feminismus und Christentum
Elisabeth Schüssler Fiorenza, Neues Testament
Judith Plaskow, jüdische Theologie
Mary Daly, postchristliches Denken
Carter Heyward, Ethik
Bernadette Brooten, frühe Kirchengeschichte und Neues Testament
Helene Schüngel-Straumann, Altes Testament

Für jüngere Theologinnen siehe: www.foerderpreis.ch