Archiv des Monats: August 2021

Frau des Monats September/Oktober 2021

Frauen im Portrait: Esther Gisler Fischer

Esther Gisler Fischer

Geb. 3. Mai 1968 in Zürich.
Seit ihrem Studium der Theologie, Ethnologie und Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Islam beschäftigt sie sich mit kontextuellen Theologien aus Frauensicht, der Rolle von Frauen in religiösen und kulturellen Traditionen und Konzepten vom „guten Leben“, die ein nachhaltiges, friedlicheres und gerechteres Zusammenleben von Menschen untereinander und der Mitwelt ermöglichen.
Aktuell arbeitet sie als ref. Pfarrerin im Zürcher Stadtquartier Seebach.
www.contextus.ch

 

Esther Gisler Fischer befragt von Doris Strahm

  1. Du bist seit Jahren eine unserer aktivsten IG Mitfrauen, bist vernetzt in viele feministische Kreise hinein und trägst uns, dem IG-Vorstand, immer wieder neue Ideen zu. Zudem mischt du dich mit Leser:innenbriefen und Blogbeiträgen couragiert und unermüdlich in aktuelle feministische und kirchliche Debatten ein. Woher kommt diese tiefe Leidenschaft für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit? Was treibt dich an in deinem unermüdlichen Engagement?

„Gott ist mit den Furchtlosen.“ Dieses Zitat der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und der Rabi Hillel zugeschriebene Spruch „Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht ich?“ sind sozusagen Leitmotive für mein Engagement: In der Religions-gemeinschaft, in die hineingeboren wurde, erlebte ich am eigene Leibe viel an Repression und struktueller Gewalt auch während meiner Ausbildung an der Universität und meiner Suche eines Platzes innerhalb der röm.-kath. Kirche. Die ‚weibliche Freiheit‘ (nach den italienischen Differenzfeministinnen) habe ich dort nicht gefunden.;-wie auch! Kirchen haben leider nicht viel zu tun mit der egalitären Bewegung eines ‚Jeschua-ben-Mirjam, Jesus von Nazaret, der sich Frauen auf Augenhöhe genähert hat. Laut neuesten Forschungen hat die Jesusbewegung in mindestens der Hälfte aus Frauen bestanden. Und seine Jünger und Jüngerinnen lebten auch nicht von Luft und Liebe auf ihren Wanderungen, sondern konnten auf zahlungskräftige Personen; -vielfach Frauen zählen-, welche sie finanziell unterstützten. Es wird angenommen, dass diese in Begegnungen mit Jesus geheilt wurden und ihm dies dankten, indem sie ihn und seine Gemeinschaft unterstützten.

Wegen meines Engagements gegen Bischof Haas als Studentin verweigerte mir dieser die ‚Missio‘, die Beauftragung zum kirchlichen Dienst. Dem damaligen Dekan war es zu verdanken, dass ich dennoch den Pastoralkurs machen konnte.

Nach meiner Konversion ging ich nochmals an die Uni nach einem von der Evang.-ref. Kirche festgelegten Curriculum. Als ich beim damaligen Kirchenratspräsidenten um Aufnahme in den Kirchendienst der Zürcher Landeskirche bat, fragte der mich in aller Selbstverständlichkeit, ob er beim Generalvikar Referenzen über mich einholen könne. Die Haare standen mir zu Berge ob dieses Ansinnens, war ich doch aus meiner Sicht dem sprichwörtlichen Teufel erst vom Karren gesprungen. Männerbündelei also auch da!

Diesen Erfahrungen ist es geschuldet, dass ich beschlossen habe, meine Stimme zu erheben, überall dort, wo ich es mir wichtig scheint: Als Frau, Feministin, Jesuanerin, Expertin für Religionsfragen. Denn: ‚Das Netz ist zerrissen, und ich bin frei.‘ (Ps 124, 7b)

  1. Wie bist du zur Feministischen Theologie gestossen? Welche Protagonistinnen haben dich da besonders geprägt?

Ich hatte das Glück, in den späten 80er und frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg (CH) in einer Zeit zu studieren, als feministische Theologie in verschiedenen Disziplinen durch engagierte Assistentinnen zum Thema gemacht wurde: Da waren die Alttestamentlerin Silvia Schroer, welche uns mit den Weisheitstraditionen der Bibel und alternativen Gottesbildern und spannenden Frauenfiguren aus der hebräischen Bibel vertraut machte. Béatrice Acklin Zimmermann, machte uns als Kirchenhistorikerin über Nonnenviten mystische Zugänge zum Göttlichen zugänglich. Am Lehrstuhl für Missionswissen-schaft ermöglichte Irene Neubauer-Gubler interreligiöse Begegnungen. Und last but not least Doris Strahm und Regula Strobel, welche sich mit dogmatischen Fragen ans «Pièce de Resistance» der patriarchalen Theologie gemacht hatten, indem sie am Ort, wo einst Mary Daly studierte und mit ihrem Spruch «Wenn Gott männlich ist, muss das Männliche Gott sein» berühmt wurde, so einiges Althergebrachte wie die Kreuzestheologie in der Theologie hinterfragten und uns Student:innen neue Horizonte öffneten für die Konzepte von Theologinnen aus dem Weltsüden und -osten. Ich lernte so, feministische Theologien als Befreiungstheologien zu verstehen mit Frauen als Subjekten. Dies alles ermöglichte es mir, Verflechtungen von Gesellschaftsformen, Gottesvorstellungen und Geschlechterrollen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen und weiter an einer befreienden Rede von Gott zu arbeiten und mich mit Mitstreiterinnen wirksam in öffentlichen Debatten einzumischen. Kurse an der Paulus-Akademie in Zürich und in Männedorf auf Boldern boten mir weiterhin Orte des Nachdenkens und des Austausches.

  1. Was waren die Schwerpunkte in deiner feministisch-theologischen Tätigkeit? Wie hast du Feministische Theologie mitentwickelt, auf die Welt gebracht und/oder weitervermittelt?

Ich bin keine Theoretikerin; so habe ich auch keine theoretischen Würfe vollbracht auf dem Feld der Feministischen Theologie. Wie bei der IG bin ich ‚Mitfrau‘; -lebe in Beziehungen und versuche da, etwas zu bewegen: Dies in verschiedenen Netzwerken der innerchristlichen Ökumene von Frauen.  In der Gemeinde habe ich mal eine Tagung zu ‚Maria als Prophetin‘ gemeinsam mit anderen Frauen vorbereitet und durchgeführt. Dazu engagiere ich mich im Interreligiösen Dialog unter Frauen verschiedener Religionen, sowie denke mit bei Fragen, wie ‚gutes Leben‘ für alle Menschen, wie unsere Mitwelt aussehen könnte. Ich war beteiligt an einer Zeitung im Vorfeld der Abstimmung für ein bedingungsvolles Grundeinkommen: http://antidotincl.ch/images/Ausgabe_12/Antidot_24.pdf und habe mich explizit als feministische Theologin in die Diskussion eingeschaltet: https://www.youtube.com/watch?v=vh1pc1mVcXM Themen wie die unbezahlte Care-Arbeit treiben mich schon länger um. Mein Engagement für die Frauensynode 2021 ist dazu zu rechnen. Diese findet coronabedingt unter dem Titel «Wirtschaft ist Care» dezentral statt: https://www.frauensynode2021.ch/
Als Redaktorin der Zeitschrift ‚Neue Wege‘ versuche ich zusammen mit meinen Kolleginnen, feministisch-theologische Fragestellungen in die Themenauswahl einfliessen zu lassen. Als religöse Sozialistin, die ich auch noch bin, versuche ich, den Zusammenhang zwischen dem religiösen und pseudoreligiösen Überbau (der Markt als Religion) und den Gegebenheiten unserer Gesellschaft auszuzeigen. «Wie im Himmel, so auf Erden» halt.

  1. Welchen Stellenwert hatte feministisches Gedankengut innerhalb deiner Arbeit und wie fliesst feministische Theologie in deine verschiedenen Tätigkeiten ein?

Ich predige durchwegs feministisch; die Geschlechterfrage ist immer ein Thema bei mir. Dabei stelle ich biblische Frauenfiguren regelmässig ins Zentrum meiner Verkündigung. Jesus als Christus gebe ich nur insofern Raum, als dass ich die von ihm verkündete Hoffnung auf das ‚Reich Gottes‘ beziehungsweise ein ‚Leben in Fülle‘ als innerweltliches Geschehen, welches insbesondere auch Frauen einschliesst, ins Gedächtnis rufe als widerständige Praxis gegen die ‚Waffen des Todes‘.

In meiner seelsorgerischen Tätigeit versuche ich Frauen zu stärken in ihren Beziehungen und ihnen Unterstützung angedeihen zu lassen, wo sie sich aus unseligen Verstrickungen zu befreien versuchen.

  1. Du hast schon sehr früh deinen Blick auch auf feministische Theologien des globalen Südens gerichtet. Wie kam es dazu? Welche Ansätze und Methoden sind dir bis heute besonders wichtig?

Zum einen war an der Universität Fribourg der Blick immer schon weit geöffnet auf die Welt und wletweite Kirche: Befreiungstheologische Ansätze wie das Prinzip des ‚Sehen – Urteilen – Handeln‘ waren mir geläufig und die Kontroverse zwischen Rom und Vertreter_innen kontextueller Theologie in vollem Gang. Zum andern brachten uns die bereits erwähnten Assistentinnen; -wie du Doris!-, die Arbeiten feministischer Theologinnen aus dem Weltsüden und -osten nahe und leisteten damit für mich wichtige Vermittlungsarbeit. Ökofeministische Ansätze wie die von Yvone Gebara und Judie Ress sind mir gerade in den letzten Jahren sehr wichtig geworden.

  1. Gab und gibt es Reaktionen aus deinem Umfeld auf deine feministische Theologie/Arbeit? Wenn ja, welche? Und wie gehst du damit um?

In meiner Kirchgemeinde wurde ich am Anfang angefeindet und das von Frauen, welche Angst hatten, ich würde mit meiner Theologie Kinder und Jugendliche ‚verderben‘. Das hat mich zuerst gekränkt; doch anschliessend kam der Trotz: „Jetzt erst Recht!“ sagte ich mir: Wenn schon die feministische Theologie so ein Reizthema ist, gehe ich da aufs Ganze. Wer, wenn nicht ich kann da die Erkenntnisse feministischer Bibelwissenschaft und Dogmatik an die Frau und an die Frau bringen, wenn nicht ich? Es ist ja sonst Keine/r da!

  1. Wie schätzt du die gegenwärtige Situation von Frauen in Kirche, Gesellschaft etc. ein? Welche „Erfolge“ kann deines Erachtens feministische Theologie im Hinblick auf die Veränderung der patriarchalen Theologie und Kirche verzeichnen? Was wünschst du dir für die Zukunft der Frauen?

Ich stelle leider allgemein einen Backlash fest. Und dennoch haben wie Einiges erreicht: Es gibt Theologinnen und Pfarrerinnen, welche selbstbewusst die Bibel auslegen und Jesus als den schildern, der er wahr, jeseits des kerygmatischen Christus. Doch bleibt sowohl in der Vermittlung, wie bei den Strukturen der Universitäten wie Kirchen noch viel zu tun im Bereich Geschlechtergerechtigkeit und der Anerkennung anderer Weisheitstraditionen und Lebensentwürfe.

Ich danke dir für dieses spannende Interview!
Doris Strahm

Frau des Monats Juli/August 2021

Feministische Theologinnen im Porträt: Brigit Keller

Brigit Keller, geb. 1942 in Zug, wohnhaft in Zürich.
Studium der Germanistik, Kunst- und Religionsgeschichte.
Dissertation über die Lyrik von Nelly Sachs.
Freie Mitarbeiterin/Studienleiterin für Frauenfragen/Frauenkultur, Literatur & Ausstellungen an der Paulus-Akademie Zürich1971-2006.
Marga Bührig-Anerkennungspreis 1999
Publikation von Lyrikbänden im eFeF-Verlag:
Vogelflug im Augenwinkel (1998)
Wasserzeichen in meiner Haut (2006)
Sehnarben (2011/2015)
www.brigitkeller.ch

Wie bist du im Verlaufe deines Lebens zur Feministischen Theologie gestossen und welche Protagonistinnen haben dich da geprägt?

Ich bin in einem katholischen Kontext aufgewachsen. Viel war mir an der Kirche wichtig, doch früh hat es mich irritiert, dass nur Männer Priester werden konnten, dass der Papst ein Mann war, ein Mann mit viel Macht, dass mein Bruder ministrieren konnte, ich nicht. Auch was über Eva als Verführerin erzählt wurde, die Witze darüber, haben mich verletzt.  Warum war das Geschlecht so wichtig? Warum war ich als Frau weniger wert als ein Mann? Ich blieb in der Kirche, aber fühlte mich entfremdet. Dies hat sich verschärft, als mir die Frauenbewegung wichtig wurde. Ich lernte verstehen, was mich an der Teilnahme von Gottesdiensten schon länger gelähmt hatte.

Als ich das erste Mal etwas von Feministischer Theologie hörte, war ich gleichsam elektrisiert.
Ja, das ist möglich, neu möglich, eine neue Zugehörigkeit tat sich auf. Ich muss nicht alles, was mir lieb ist aufgeben, ich kann einiges anders gestalten, an einer Veränderung von Frauen und Männern auf mehr Gerechtigkeit, auch in der Kirche, hinarbeiten. Ursula (Ursa) Krattiger hat sich in der Paulus-Akademie die Ausstellung „Wir Frauen Mai 78 – Rollen und Aufbruch“, die ich mit viele Frauen gestaltet hatte, angesehen. Dabei hat sie mir von der niederländischen Theologin Catharina J.M.Halkes erzählt, von ihrem  Lehrauftrag für „Feminismus und Christentum“. Ich wollte Halkes kennenlernen und habe sie in die Paulus-Akademie eingeladen. Das war die erste Veranstaltung zu Feministischer Theologie in der Paulus-Akademie: „Feministinnen hinterfragen unser männliches Gottesbild“, Sonntag, 17. September 1978. Zwar konnte Catharina eines Unfalls wegen nicht selber kommen, Ursa hat ihre Gedanken vorgetragen. Der Abend war der Beginn meiner feministisch-theologischen Arbeit.

Viele Protagonistinnen haben mich geprägt, aber ganz tief gingen mir die Bücher und Begegnungen mit Catharina J.M. Halkes. Gern zähle ich einige weitere Theologinnen auf, die ich in die Paulus-Akademie einladen konnte und die mir wichtig sind: Elisabeth Schüssler Fiorenza, Dorothee Sölle, Mary John Mananzan, Mercy Amba Oduyoye, Doris Strahm,  Ivone Gebara u.a. Weitere Theologinnen, Philosophinnen, Ethikerinnen wurden durch ihre Bücher wichtig, mit denen ich mich in Frauengruppen auseinandergesetzt habe: nennen möchte ich vor allem Mary Daly und Carter Heyward. Auch Matriarchale Spiritualtität hat mich fasziniert. Dazu will ich Heide Göttner-Abendroth und Rosmarie Schmid erwähnen.

Wo warst du selbst tätig und hast Feministische Theologie mitentwickelt, auf die Welt gebracht und/oder weitervermittelt?

Ich war in der Paulus-Akademie Zürich über lange Jahre freie Mitarbeiterin, später Studienleiterin. Meinen Arbeitsbereich habe ich selber entwickelt, es gab ihn vorher nicht. Darauf bin ich stolz. Mit Mut habe ich meine Ideen umgesetzt, lotete die durch den Ort gesetzten Grenzen aus.

Mit feministisch-theologischen Themen begann ich 1978. Ich habe in den folgenden Jahren bis zu meiner Pensionierung von 2006 viele Angebote gestaltet: Gruppen für Frauen, Tagungen, Sommerwochen, Abendveranstaltungen. Viele Theologinnen konnte ich einladen und Diskussionen mit ihnen ermöglichen. Dafür war mir die Zusammenarbeit mit Boldern, dem RomeroHaus, Silvia und Doris Strahm, Carmen Jud grundlegend. Sehr wichtig wurde auch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Bildungshäusern und Einzelpersonen für mehrere Ökumenische Ausbildungskurse (1998-2001). Ab 2002 gestalteten wir Interreligiöse Theologiekurse für Jüdinnen, Christinnen, Musliminnen, eine bereichernde und herausfordernde Arbeit.

Welchen Stellenwert hatte feministisches Gedankengut innerhalb deiner Arbeit und wie floss feministische Theologie in deine Tätigkeiten ein?

Feministische Theologie war Teil meines Arbeitsbereiches „Frauenfragen/Frauenkultur und Literatur“. Sie hat selbstverständlich, weil immer ich es war, die diese Veranstaltungen organisierte, auch die andern Themenbereiche beeinflusst, wie die Arbeit mit Schriftstellerinnen, die Tagungen zu Frauen und Macht, zu Frauenfreundschaften, Auseinandersetzungen mit Körper und Sprache, Projekt Labyrinth, Themen für und mit Frauen verschiedener Herkunft, Arbeit gegen Gewalt an Frauen …

Welche Ansätze und Methoden sind dir besonders wichtig?

„Erfahrungstheologie“, „von sich ausgehen“ im Austausch mit verschiedenen Frauen. Respekt vor einander, zuhören können / reden lernen….“vom Schweigen zur Sprache zur Aktion“.

Gab es Reaktionen aus deinem Umfeld auf deine feministische Theologie/Arbeit?
Wenn ja, welche?

Neben Neugier, Zustimmung, auch viel Kritik und Unverständnis – es lohnt sich nicht, das genauer zu beschreiben. Wichtiger war das grosse Interesse von Frauen, das mich angestossen, begeistert, unterstützt hat. Dies war in den 70er, 80er, auch noch 90er Jahren sehr stark, schwächte sich später ab.

Wie schätzt du die gegenwärtige Situation von Frauen in Kirche, Gesellschaft etc. ein?
Was wünschst du dir für die Zukunft der Frauen?

Ich wünsche mir, dass viele Frauen auf ihre Ziele hin weiter zusammenarbeiten, den Mut nicht verlieren, gegen Resignation ankämpfen, kreativ und beharrlich sind.

Wie bekommen für dich deine Überzeugungen nach wie vor Hand und Fuss?

Ich werde nächstes Jahr 80. Erfahrungen mit Krankheiten und Abschied beschäftigen mich zurzeit mehr als die feministische Theologie.
Doch für mein tägliches Leben und Überleben sind theologische Bezüge nach wie vor wichtig. Besonders wichtig ist mir die Schöpfungstheologie, der Ökofeminismus, wie ihn Ivone Gebara beschrieben hat. „In jeder Sekunde beginnt die Schöpfung wieder neu und lebt gleichzeitig weiter fort. Es ist ein fortlaufender Beginn, jederzeit neu.“ (Gebara) Das Werden, das Neu-Werden, ist in jedem Moment möglich, und ich stehe nicht ausserhalb dieses Prozesses, ich bin einbezogen, mitverantwortlich. Dies hilft gegen Resignation und Trauer. Auch die Erinnerung ans gemeinsame Arbeiten, die Hoffung auf eine bessere Welt für alle, kann mich stärken. Als „glückliche Alte“ kann ich mich jedoch nicht bezeichnen, zu viel in der Welt liegt im Argen. Ich versuche aber gegen Ohnmachts-Kultivierung anzukämpfen.

Das Interview führte Esther Gisler Fischer, Juni 2021