Archiv des Monats: Oktober 2018

Empört euch!

Die IG Feministische Theologinnen protestiert gegen den Vergleich von Abtreibungen mit Auftragsmord durch Papst Franziskus.
Schon wieder gibt die Kirchenleitung der römisch-katholischen Kirche Anlass zur Empörung. Während die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale erst zögerlich beginnt und strukturelle Massnahmen noch kaum im Blick sind, sorgt Papst Franziskus für einen weiteren Skandal. Am 10. Oktober 2018 behandelte das Oberhaupt der Katholikinnen und Katholiken in seiner wöchentlichen Audienz auf dem Petersplatz das Gebot «Du sollst nicht töten». Dabei stellte er Abtreibung mit einem Auftragsmord gleich.
Die vollständige Stellungnahme kann hier eingesehen und/oder heruntergeladen werden.

Medienecho zur Stellungnahme

«Frauen wehren sich», Beitrag in der Zeitschrift «Sonntag», Nr. 43/2018: Weiter zum Beitrag …
«Wie lange wollen wir Frauen uns das noch gefallen lassen?», Beitrag auf «FrauenSicht»: Weiter …

Frau vom November-Dezember 2018

Feministische Theologinnen im Porträt: Simone Rudiger

1. Welchen Stellenwert hat feministisches Gedankengut innerhalb deiner Arbeit?
Ich arbeite in einer Pfarrei und einer Klinik als Seelsorgerin. Immer sind mir Gerechtigkeit und die Ermächtigung von Menschen wichtig. Dass alle möglichst in Freiheit so leben können, wie es einem guten Leben für sie entspricht. Das damit ein gutes Leben für alle möglich(er) wird, bleibt meine ganz grosse Hoffnung.

2. Wie fliesst feministische Theologie in deine Arbeit ein und wie kommt sie bei deinen Adressat*innen an?
Ich lasse Erkenntnisse und Errungenschaften der feministischen Theologie möglichst oft zur Geltung kommen. Ich entdecke immer wieder Neues im Gespräch mit Kolleg_innen, beim Nachforschen und Lesen. So wird mein Wissen in feministischer Theologie ständig erweitert. Es ist äusserst spannend!
Grundsätzlich mache ich gute Erfahrungen mit Gesprächspartner_innen in der Seelsorge, Mitfeiernden im Gottesdienst und meinen Kolleg_innen im Pfarreiteam. Aber natürlich weiss ich nicht immer, wie etwas ankommt.

3. Bist du eher anwaltschaftlich (feministisch) oder eher beschreibend (gender) unterwegs
Mit dieser Unterscheidung kann ich grad nicht soviel anfangen… Ich würde sagen, ich tue das Eine, ohne das Andere zu lassen und umgekehrt. Die beiden Aspekte ergänzen und bedingen sich meines Erachtens gegenseitig. Beschreibung alleine reicht mir nicht, es muss ins Handeln kommen. Andererseits ist analytisches Denken vor dem Handeln unerlässlich.

4. Braucht es in den Kirchen noch ‚Frauenförderung‘‘ oder ist die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern schon Realität?
Leider ist diese Frage in der römisch-katholischen Kirche, der Konfession, in der ich beheimatet bin, noch immer eine rhetorische. Das Fehlen eines Penisses verunmöglicht die Weihe von berufenen Menschen: Das ist ein Skandal!
Gleichstellung der Geschlechter ist in unserer Gesellschaft noch nicht praktische (und oft nicht mal theoretische) Realität. Die Kirche(n) nehmen da leider keine Vorreiterinnenrolle ein.
Der Begriff „Frauenförderung“ klingt in meinen Ohren recht veraltet: Wir müssen uns alle fördern nicht mehr nur in binären (zwei gegensätzlichen) und vermeintlich eindeutigen Kategorien zu denken, gerade wenn’s um „Geschlecht“ geht.

5. Wie bekommen für dich deine Überzeugungen Hand und Fuss?
In Gesprächen, in Entscheidungsprozessen, bei der Wahl von Themen für eine Veranstaltung, sei dies Senior_innennachmittag oder Bildungsanlass zur ökumenischen Kampagne. Und selbstverständlich in Ritualen und Gottesdiensten von der Liedwahl, über die Formulierung von Gebeten, bis hin zur Auseinandersetzung mit Bibeltext und Predigtgedanken. Immer geht es mir um Gerechtigkeit und befreiendes Denken und Handeln. Ich versuche Gedanken, Wort und Tat möglichst in Übereinstimmung zu bringen, also konsequent zu leben. Das ist einfacher gesagt, als getan und bleibt eine Herausforderung!

Das Interview führte Esther Gisler Fischer, Oktober 2018

Gleichberechtigung der Frauen – alles erreicht?

Reformierte Frauen können heute ordiniert werden. Sie sind den Männern gleichgestellt. Aber sie tragen immer noch die ganze Last der patriarchalen Geschichte und Schriftauslegung mit. Wo stehen sie heute? Welche neuen Impulse setzen Frauen in der theologischen Forschung? Diesen Fragen ging das Referat der Theologin Tania Oldenhage nach, das in der Reihe Blinde Flecken am Montag, 26. November 2018, in der St. Anna-Kapelle/Zürich stattfand.
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Stellungnahme zur „Änderung des Geschlechts im Personenstandsregister“

Die Zweigeschlechterordnung, nach der sich unsere gesellschaftlichen Institutionen orientieren, bildet die real existierende Geschlechtervielfalt nicht ab und marginalisiert Menschen mit davon abweichenden Geschlechtsidentitäten oder körperlichen Eigenschaften. Die gesetzliche Verankerung weiterer amtlicher Geschlechtseinträge und die Änderung des Schweizer Rechts hin zu geschlechtsneutralen Gesetzen sind deshalb notwendige Schritte, um die Diskriminierung von Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung (auch: Intersex) und von Transmenschen zu beenden.
Die IG Feministische Theologinnen begrüsst deshalb den Vorentwurf zur Gesetzesrevision der „Änderung des Geschlechts im Personenstandsregister“ zur vereinfachten Anpassung des Geschlechtseintrags durch das Zivilstandesamt. Sie unterstützt die Vernehmlassung des Transgender Network Switzerland, die wichtige Änderungsvorschläge an diesem Vorentwurf enthält, damit das Gesetz wirklich den Anliegen der Betroffenen entgegenkommt.
Die vollständige Stellungnahme kann hier eingesehen und/oder heruntergeladen werden.